“Bind‘ mir ja keinen Bären auf!” – Beispiele für packendes Social Media Storytelling

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Nicht erst seit heftig.co wird Storytelling in Social Media bis zum Gehtnichtmehr ausgeschlachtet. Der Kampf um Klicks beginnt dort mit hyper-emotionalen Überschriften und Bildern, die einen ekeln, schaudern, lachen, weinen oder wütend werden lassen sollen.

Sind wir alle nach über einem Jahrzehnt Social Media etwa schon so abgestumpft, dass wir nur noch klicken wenn die emotionale Keule uns den Schädel spaltet? Hallo??

Storytelling ist die hohe Kunst, aus langweiligen Fakten und vermeintlich trockenen, erklärungsbedürftigen Themen eine emotional ansprechende Geschichte zu zaubern. Was sich dahinter verbirgt, haben wir im ersten Teil unserer „Storytelling“-Reihe schon beschrieben.

Wir wollen euch hier nun ein paar schöne Social Media-Beispiele dazu servieren – frisch angerichtete, aktuelle, aber auch Klassiker, die man kennen sollte. Dieser Post soll euch inspirieren und zeigen, wie gutes Storytelling in Social Media aussehen kann, damit ihr euch auf die Suche nach euren eigenen Stories machen und selbst neue kreieren könnt.

Ein fettes DANKE gilt unseren Facebook-Fans und Twitter-Followern, die uns Anregungen und Beispiele für diesen Post geschickt haben! Ihr seid die Helden unserer SocialHub-Story!

Vine – es reichen sechs Sekunden

Zum Einstieg gibt’s kurz und knackiges. Genau sechs Sekunden lang, um genau zu sein. Denn die zu Twitter gehörende Video-Sharing-App begrenzt jedes Video auf genau dieses Zeitfenster – gleichzeitig ist Vine eine wahre Fundgrube für Storytelling per Video, Stop Motion oder Serie. Micro-Storytelling! Der Vorteil: weil alles nur sechs Sekunden dauert, springt garantiert auch keiner ab.

…ach komm, eins geht noch:

Jetzt is aber Schluss! Weiter geht’s zum nächsten Beispiel…

Lego – denn wir sind alle Helden!

Bei Lego funktioniert Storytelling gleich auf verschiedenen Ebenen: Mit den Steinen und den Figuren spielt man Stories – die Spieler werden somit selbst zu Helden. Von Star Wars bis zu selbsterfundenen Geschichten – der Fundus ist quasi unerschöpflich und wird durch die eigene Kommunikation, Apps, Spiele, Videos und nicht zuletzt durch den neuesten Lego-Film immer wieder neu gefüttert und das Analoge dabei geschickt mit dem Digitalen verbunden.  

Daneben spielt die Geschichte des Unternehmens selbst: noch vor einigen Jahren kurz vor dem Bankrott (die Kinder spielten halt lieber Computer und Playstation als lahme Analogbauklötzchen), kam ein junger neuer Konzernchef-Held namens Jørgen Vig Knudstorp, fokussierte u.a. auf „Star Wars“, „Harry Potter“, „Der Herr der Ringe“-Lego, Lego für Erwachsene, Videospiele, den chinesischen Markt usw. und führte das Unternehmen so zum Turnaround – heute der zweitgrößte Spielzeughersteller der Welt. Das Lego-Beispiel ist deshalb so interessant, weil Lego nicht nur prädestiniert dafür erscheint, sondern das Lego-Storytelling hier auf diversen Kanälen und Ebenen abläuft.

Mit einer eigenen Story Maker App kann man bei Lego sogar selbst Storys aufzeichnen:

Red Bull – Der Traum vom Fliegen

Das war klar – Red Bull MUSS in einen Post über Storytelling als Beispiel mit rein. Die spektakulärste Geschichte war sicherlich der Weltraum-Sprung von Felix Baumgärtner. Doch die Geschichte begann eigentlich schon Jahre vorher (habt ihr euch auch (gefühlt jahrelang) gefragt ‚Wann springt er endlich??‘), bis der Held tatsächlich bis zum Äußersten ging – und heil zur Erde zurückkehrte. Episch.

Apple – Die Klassiker

In Umfragen zum Thema Storytelling und Marken taucht eine immer wieder auf den ersten Plätzen auf: Apple. Vom Gründungsmythos in irgendeinem dunklen Keller bis zur persönlichen Story von Steve Jobs – alles schon mal gehört, oder? Starke Mission + Message, persönlich, emotional, etwas im-Gedächtnis-Bleibendes. Hier dominieren Werte, Visionen, Protagonisten.

Reden und Werbespots zählen mittlerweile zu den Klassikern, wie der „Big Brother“-Werbespot von 1984 zum Macintosh Computer, oder die „Think Different“-Kampagne aus den 90ern.

Ein aktuelles Beispiel sind die Videos zum iPad Air, u.a. mit der gehörlosen US-Reisebloggerin Chérie King als Protagonistin, die das Tablet auf ihren Reisen nutzt:

Auch wenn Apple tolle Videos produziert und sich die neuesten Apple-Stories im Netz verbreiten wie nix – so „social“ die Produkte auch sein mögen – in der eigenen Social Media-Kommunikation ist das Unternehmen eher zurückhaltend, sie ist quasi nicht vorhanden (wie jeder festgestellt haben wird, der schon mal versucht hat, mit Apple Inc. über Social Media-Kanäle zu interagieren). Ganz anders bei unserem nächsten Beispiel:

Corporate Storytelling bei Bosch – von Produkten zu Protagonisten

Ein Unternehmen, das sich „Corporate Storytelling“ via Social Media ganz groß auf die Fahnen geschrieben hat, ist Bosch. Auf der Stuttgarter Social Media Night im Februar erklärten Dr. Michael Schmidtke, Leiter Digitale Kommunikation und Alexandra Linsenmeier, Kommunikationsmanagerin Social Media, wie die Robert Bosch GmbH den Fokus der Kommunikation zunehmend hin zu Menschen und Geschichten lenkt – von Produkten zu Protagonisten quasi. Ziel ist es am Ende des Tages, die Marke emotional aufzuladen.

Insgesamt bespielt Bosch weltweit ca. 350 Social Media Kanäle (25% davon mit B2B-Fokus, 20% mit Corporate-Bezug). Das Storytelling bei Kampagnen geschieht immer auf mehreren Kanälen gleichzeitig und aus unterschiedlichen Blickwinkeln der Protagonisten. Unterteilt werden die Kampagnen in so genannte „Storyloops“.

Interessant ist der Ansatz, dass die Stories selbst „Social Stories“ sind, d.h. die geöffnete Erzählform. Über interaktive Inhalte, Share-Funktionen und aktives Community Management gibt Bosch die Impulse, die User dürfen dann weitererzählen.

Bei der derzeit laufenden „Bosch World Experience 2014“ zum Beispiel reisen sechs Protagonisten zu insgesamt sechs Zielen auf drei Kontinenten, wo sie Bosch-Technik in Aktion erleben (z.B. die Steuerung der Tower Bridge in London). Über ihre Erlebnisse berichten sie in einer Blogumentary und live über Social Media (Hashtag #ExperienceBosch).

Bosch World Experience

Google Nexus 7 – Produkt-Promo als Heldenstory

„Echte Helden haben Angst und überwinden sie.“ Ein Beispiel für eine schöne Geschichte, bei der das Produkt trotzdem geschickt im Fokus steht, ist das Video zum Google Nexus 7. Hier wird die die Geschichte vom jungen „Held“ Erik erzählt, der mit Hilfe des Nexus (und seiner Mutter) seine Angst vor einem Referat überwindet (und zum Schluss kriegt er dann zur Belohnung auch noch das tolle Mädchen aus seiner Klasse oder so ähnlich – natürlich auch mit Hilfe des Geräts).

Klassische Story-Elemente, klassischer Aufbau, aufgeladen mit starken Emotionen, die jeder nachvollziehen kann – schön analysiert ist das übrigens hier bei Fortis PR.

Beispiele für Multimedia-Storytelling im Journalismus findet ihr hier bei t3n und bei der Karrierebibel findet ihr hier noch weitere Beispiele für Stories.

Und zum Schluss… gibt’s noch was Schönes auf die Augen: MOVE – die Geschichte einer Reise:

Und jetzt du bist du an der Reihe

Welche Social Media-Posts und Kampagnen aus Networks und Blogs sind bei dir in der letzten Zeit spontan hängengeblieben? Warum?? Weil’s besonders witzig war? Besonders neu-und-nie-dagewesen? Besonders schockierend? Oder weil’s einfach eine gute Story war, deren Message sich in dein Gehirn gewunden hat? Mit Protagonisten, Emotionen, einem Konflikt vielleicht, den es zu überwinden galt? Einer starken Message?

Und nun geh deine eigenen Posts durch, schau dir dein Unternehmen genau an, seine Geschichte(n) und Themen, und mach dich auf die Suche nach der Story, nach der Message, nach etwas Persönlichem, Emotionalen. Nach Helden!

Erzähle selbst eine Geschichte!

Poste Links zu deinen Posts gerne unten in die Kommentare! Wir freuen uns über weitere coole Beispiele von euch!