Resilienz: Wie du deine innere Widerstandsfähigkeit stärken kannst

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Ein Gastbeitrag von Corinna Slawitschka, rethink work, Resilienz-Trainerin

Resilienz beschreibt unsere persönliche seelische Widerstandskraft. Sie ermöglicht es, Krisen besser zu überstehen oder sogar gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Wer resilient ist, besitzt also eine hohe psychische Widerstandfähigkeit und Belastbarkeit. Dabei befindet sich jeder Mensch in einer anderen Ausgangssituation, denn der Grundstein für die eigene Resilienz wird bereits in der Kindheit gelegt. Doch das „Immunsystem der Seele“ kann wie ein Muskel trainiert werden. So haben auch Menschen mit schwierigeren Eintrittsbedingungen ins Leben die Möglichkeit, später eine resiliente Haltung zu erlangen.

Resilienz – mehr als nur die Krisenkompetenz in der Corona-Krise

Die innere Widerstandsfähigkeit spielte auch vor der Corona-Krise eine wichtige Rolle und sollte in der VUCA-Welt zu einer bewussten Lebenseinstellung werden. VUCA steht für „volatility“ (Unbeständigkeit), „uncertainty“ (Unsicherheit), „complexity“ (Komplexität) und „ambiguity“ (Mehrdeutigkeit) und beschreibt vier Merkmale der neuen, digitalen Welt. 

Lineares Denken, lineares Management und lineare Karrieren sind in einer unbeständigen, dynamischen, komplexen und mehrdeutigen Welt keine Lösung, sondern ein Problem.
Heutzutage reicht es nicht mehr aus, ein gut ausgebildeter Facharbeiter zu sein. Es kommt darauf an, große Informationsmengen und Sachverhalte in relativ kurzer Zeit so darzustellen, dass sie produktiv weiterverarbeitet werden können. Mitarbeiter brauchen Kreativität und ein lösungsorientiertes Denken, damit sie zu tragfähigen Arbeitsergebnissen kommen. Hinzu kommt die hohe Geschwindigkeit, mit der sich Geschäftsmodelle und Organisationen verändern müssen. Das setzt viele Menschen unter Stress. Es ist mehr denn je gefragt, Widersprüche auszuhalten, permanente Veränderungsbereitschaft und Austauschbarkeit zu akzeptieren, Rückschläge wegzustecken und dem hohen Arbeitstempo Stand zu halten. Resiliente Menschen haben hier Vorteile, denn sie haben die Fähigkeit, besser mit diesen Herausforderungen umzugehen und erhalten so ihre eigene Motivation und die Freude an der Arbeit.

Dein Körper hört alles, was dein Kopf sagt

Resiliente Menschen haben die Fähigkeit, selbst im allergrößten Schlamassel noch etwas Gutes zu sehen. Statt an neuen Situationen zu verzweifeln, relativieren sie diese lieber. Umgangssprachlich werden sie als sogenannte Stehaufmännchen bezeichnet. Sie sind die Optimisten und Chancenfinder unter uns, die für gute Stimmung sorgen und lösungsorientiert bleiben. Und so gab es insbesondere in den letzten Monaten Menschen, die sich über die neu gewonnene Zeit oder das Aufatmen der Umwelt freuen und die Situation positiv sehen. Das zahlt sich auch gesundheitlich aus, denn unser Fühlen beeinflusst unser Denken und Handeln maßgeblich. Auch unsere Körperzellen reagieren auf alles, was unser Verstand ihnen sagt: Negative Einstellungen können chronischen Stress hervorrufen, der den Hormonhaushalt des Körpers durcheinanderbringt.

Wenn du deine Zukunft fürchtest, kannst du sie schlecht gestalten

Zukunftsplanung bedeutet, mit Krisenfällen zu rechnen sowie vorausschauend zu denken und zu handeln. Zielstrebiges und tatkräftiges Handeln, um die eigenen Pläne zu verwirklichen, gehört ebenfalls dazu. Das Erreichen der eigenen Ziele ist sehr förderlich für die eigene Krisenfestigkeit und hilft, eine planbare Routine im Alltag zu etablieren.
Als Inspiration dienen hier Organisationen aus dem Bereich der Hochzuverlässigkeits-Organisationen (HROs) wie Kernkraftwerke, Feuerwehren, Luftfahrtgesellschaften oder Notfallambulanzen in Kliniken. Denn hier müssen in Sekundenbruchteilen kritische Situationen analysiert und gemeistert werden – es muss also flexibel und dennoch im Rahmen der nötigen Sicherheitsanforderungen gehandelt werden. Antizipation und Anpassung gehören untrennbar zusammen. Hier können wir ebenfalls von Resilienz sprechen, denn die Organisationen sind anhand ihrer funktionierenden Frühwarnsysteme auf unerwartete Situationen vorbereitet. Krisen oder Notsituationen werden so bestmöglich bewältigt.

5 Tipps für mehr Resilienz

Die Macht deiner Gedanken

Findest du dich selbst in einer negativen Gedankenspirale wieder, reicht ein einziges Wort, um es zu unterbrechen: Stopp! Denn mit einem Gedankenstopp beendest du das Gedanken-Karussell und machst dir bewusst, wie wenig das endlose Grübeln bringt. Ersetze den negativen Gedanken durch einen positiven, den du im Kopf ausformulierst. Alternativ hilft hier auch das Verschriftlichen, beispielsweise in einem eigens angelegten Resilienz-Journal. Auch Dankbarkeitsaffirmationen lassen sich einfach in deinen Alltag integrieren, indem du dir abends vor dem Einschlafen drei schöne Momente des Tages vor Augen hältst und so den Tag mit einer positiven Note beendest. Eine schöne Übung, die du im Stillen oder auch mit deinem/deiner Partner*in oder Familie teilen kannst.

Stärke deine Selbstwirksamkeit

Resiliente Menschen haben meist eine gute Portion Selbstvertrauen und sehen Herausforderungen zumeist als positive Chance. Führt eine Aufgabe oder Situation nicht zu Überforderung, sondern wird als sinnhaft, verstehbar und ‚handlebar’ angesehen, stärkt sie sogar die Selbstwirksamkeit. Um diese Aufgaben aufzutun, solltest du dich fragen, was dir leicht und ohne große Anstrengung von der Hand geht – also nichts, was durch langes Antrainieren gut funktioniert, sondern, das, was dir fast spielerisch leicht fällt. Diese Art von Tätigkeiten schenken dir sogenannte Flow-Momente, die einen Schub an Glückshormonen freisetzen und dich „trotz Arbeit“ Zeit und Raum vergessen lassen. Dieses Erlebnis tritt häufig bei Selbstständigen auf.

Was jetzt nicht funktioniert, ist gerade nicht dran

Bei lösungsorientiertem Handeln steht nicht die Herausforderung im Fokus, sondern alles, was bereits gut funktioniert. Lösungsorientierung kann dir in jeder Situation helfen, da sie dich dazu bringt, immer wieder neue Chancen und Möglichkeiten auszuloten und so immer wieder zu evaluieren, was eigentlich alles möglich ist. Gerade in Krisensituationen sind wir wie gelähmt und auf all das Negative, das uns umgibt, fokussiert. Wer lösungsorientiert an Herausforderungen herangeht, kümmert sich schnell um eine adäquate Lösung des Problems. Agile Arbeitsmethoden wie Design Thinking bieten hierfür eine Vielzahl an hilfreichen Tools.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Ein wichtiger Baustein für Resilienz sind soziale Beziehungen: Resiliente Menschen haben ein größeres soziales Netzwerk, was besonders an ihrer Kommunikationskompetenz und Empathie-Fähigkeit liegt. Gute, stabile zwischenmenschliche Beziehungen in Teams und auch zu Kund*innen müssen aufgebaut und gepflegt werden.
Wer anderen hilft und ihnen entsprechend gegenübertritt, erhält im Gegenzug Hilfe und Kraft zurück. Bei belastenden oder stressreichen Lebenssituationen wirkt die soziale Unterstützung durch andere wie ein Puffer, sie mildert die negativen Folgen. Soziale Unterstützung wirkt nachweislich positiv auf die körperlichen Stresssysteme. Zeit für andere Menschen sollte also immer drin sein!

Into the green

Die Natur hat eine unglaubliche Wirkung auf uns. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass insbesondere der Wald durch seine Pflanzenstoffe (Terpene) unsere physische und psychische Gesundheit stärkt. Das Herz schlägt bei einem Waldspaziergang messbar ruhiger, der Blutdruck sinkt, die Muskeln entspannen sich. Zudem werden Stresshormone nachweislich abgebaut, Regeneration tritt ein und Kreativität kann neu in uns wachsen. Nur zwanzig Minuten braucht es, bis die Stimmung deutlich besser und das Selbstwertgefühl erhöht wird – insbesondere bei denjenigen, die unter chronischem Stress stehen. In Japan zählt das sogenannte Shinrin Yoku (Waldbaden) zu einer effektiven Stress-Management-Methode und ist fester Bestandteil des staatlichen Gesundheitssystems. Dort gibt es Waldbaden sogar auf Rezept. Wie gut, dass wir ganz ohne Arztbesuch in den nächsten Wald eintauchen können.


Unterstützt Menschen auf dem Weg in die neue Arbeitswelt: Corinna Slawitschka von rethink work.

 

Corinna Slawitschka, Gründerin von „rethink work“, arbeitet als Prozessberaterin im Gesundheitsmanagement und als Resilienz-Trainerin. Ihr besonderes Augenmerk liegt auf den verborgenen Stärken und darauf, wie sich diese für die Ziele ihrer Kund*innen nutzen lassen. Ihr Antrieb: Menschen durch den Aufbau einer resilienten Haltung auf dem Weg in die neue Arbeitswelt zu unterstützen. Mehr über Corinna findet ihr auf ihrer Website.


Fotos & Screenshots: David Haas Photography

 

Dieser Artikel erschien zuerst im SocialHub Mag – lade dir unser Social Media-Magazin hier kostenlos herunter!

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Wenn Anna nicht gerade an neuen Marketing-Kampagnen arbeitet, euch auf Events den SocialHub zeigt oder lustige Social Media-/Blog-Posts schreibt, findet man sie wahrscheinlich Pizza essend an irgendeinem See, Meer, Pfütze oder sonstigem Gewässer oder wie sie zu Fuß oder auf dem Motorrad noch unentdeckte Gegenden erkundet. Natürlich hat sie das Smartphone immer dabei, um ihren Instagram-Feed mit schmucken Fotos zu füllen.