7 Tipps für erfolgreiche Live-Berichterstattung mit Instagram Stories

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Ein Gastbeitrag von Susanne Siegert, Projecter GmbH

Über 7.200 neue Follower, Viewraten von über 65 Prozent, Interaktionen aus der ganzen Welt und ein Hauch von Influencer-Dasein: Die Instagram Stories von der Baumaschinen-Messe „bauma“ in München (mit 614.000 m2 immerhin die größte Messe der Welt) haben ein weiteres Mal gezeigt, dass diese Darstellungsform in die Vor-Ort-Berichterstattung gehört. Denn wo sich Twitter, LinkedIn und Facebook bereits bewährt haben, setzen Stories neue Impulse und greifen den Video-Trend auf, der gekommen ist, um zu bleiben. 

Aber von vorne. Denn der Sinn dieser Live-Berichterstattung sollte nicht sein, die Kamera vor Ort auf alles, was sich bewegt draufzuhalten, um das Material dann in zufälliger Reihenfolge hochzuladen.

„Noch wichtiger als die richtige Technik ist die richtige Content-Planung.“

Messe München

Die folgenden sieben Tipps sollen euch dazu inspirieren, es beim nächsten größeren Event auch mit Instagram Stories zu versuchen und helfen, dabei nicht dieselben Fehler zu machen, die wir bei den ersten Versuchen gemacht haben.

Tipp #1: Halte das Equipment-Setup so schlank wie möglich

Ich bin ein großer Verfechter des „Quick & Dirty“-Ansatzes, wenn es um Social-Inhalte geht, gerade bei Stories, die nicht nur zum Großteil auf Smartphone-Bildschirmen konsumiert werden, sondern auch nur 24 Stunden verfügbar sind. Der User erwartet keine Hollywood-Produktionen, sondern authentische Inhalte, die näher dran sind als der Pressebericht am nächsten Tag.

Als Faustregel könnte deshalb gelten: Wenn ihr nicht zu zweit mit dem Zug anreisen könnt, weil das Equipment eher Kleintransporter-Ausmaße angenommen hat, solltet ihr euren Ansatz nochmal überdenken. Die teuerste Ausrüstung ist nämlich nichts wert, wenn ihr es vor Ort nicht mobil einsetzen könnt. 

Wir haben uns daher für folgendes schlankes Setup entschieden: 

  • Smartphone: Google Pixel 3
  • Powerbank 
  • Stabilisator
  • iRig Mic Mikrofon
  • Stativ mit Lichtring
  • Mobiler WLAN-Router
Interview-Setup: Ein Blick durch unseren Lichtring, aufgebaut auf dem Stativ.

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  • Boomerang: Aufnahme und speichern von Loop-Videos
  • Hyperlapse: Zeitraffer-Videos und Geschwindigkeitsanpassungen von Clips
  • YouCut: Schneiden von Mehr-Video-Clips und Slideshows aus Fotos  
  • Photoshop Express: Fotocollagen etc. am Smartphone erstellen

Die beste und mit knapp 30 Euro auch die günstigste Investition war der Stabilisator, auf den wir verlässlich mindestens zehn Mal pro Event angesprochen werden. Einmal das Handy in den verstellbaren Rahmen eingespannt, ist es möglich, sich wackelfrei durch den Raum zu bewegen.

Drehten wir längere Interview-Sequenzen, holten wir Protagonisten an einen fixen Ort, wo Stativ und Leuchtring bereits aufgebaut und das externe Mikro eingestöpselt war. Für kleinere O-Töne ist aber auch das interne Mikrofon mehr als ausreichend.

Der Stabilisator im Einsatz.

TIPP: Wir empfehlen nur im Ausnahmefall, Material von verschiedenen Smartphone-Modellen zu mischen oder sogar von verschiedenen Devices aus zu posten. Bei ersten Tests haben wir beobachtet, dass sich die Lage von Schriften, Stickern oder sogar ganze Bildausschnitte von Smartphone zu Smartphone unterscheiden.

Tipp #2: Klemm dich hinter das Storyboard

Schon nach kürzester Zeit ist es zwar zerfleddert und voller Kuli-Anmerkungen, hier lohnt es sich, ein ausgedrucktes Storyboard bei jedem Event dabei zu haben.

„Das Storyboard ist unser wertvollster Schatz bei jedem Event.“

Es geht nicht darum, dem Drehbuch für den nächsten “Avatar”-Film Konkurrenz zu machen. Es geht vielmehr darum, uns, dem Kunden, aber auch dem User einen roten Faden an die Hand zu geben, an dem sich die Stories entlang hangeln können, ohne Flexibilität für spontane Einfälle zu verlieren. 

Das Grundgerüst unserer Storyboards ist ein Google Doc mit 4 Spalten: 

  • „Uhrzeit/Ort“: Wo müssen wir uns wann aufhalten? 
  • „Bild“: Wie könnte das Motiv aussehen? Gibt es einen Interviewpartner mit O-Ton?
  • „Text“: Welchen Mehrwert/welche Infos sollte der Text liefern? 
  • “#Stories“: Wie viele Stories sind innerhalb der Sequenz vorstellbar?

Die Erstellung des Storyboards dauert – gerade beim ersten Mal – sehr lange und kann so detailliert ausgearbeitet werden, wie es für die Reporter sinnvoll ist. Für eine Woche bauma umfasste das Storyboard 17 Seiten voller Infos zum Programm, Stichpunkten zu ausgestellten Maschinen, anwesenden Promis etc. 

Außerdem gehörte dazu auch ein halbseitiger „Styleguide“ mit Infos zum Look der Stories, der die folgenden Fragen beantwortete: 

  • Welche der Stories-Schriften verwenden wir in welcher Farbe/mit welchem Hintergrund? 
  • Gibt es eine Standard-Zentrierung? (In unserem Fall: cleane Font in weiß, transparent-blau hinterlegt; linksbündiger Text)
  • Sollen GIFs und Emojis verwendet werden? (In unserem Fall: GIFs nein, Emojis ja) etc.

Im Storyboard gingen wir von ca. 15 Stories pro Tag aus und veröffentlichten in den acht Tagen (ein Tag Anreise + sieben Tage Messe) insgesamt 127 Stories, d.h. 15,875 pro Tag.

Tipp #3: Zeig (dein) Gesicht

Zugegeben kostete es anfangs etwas Überwindung, in die Frontkamera zu sprechen (für die bauma sogar auf Englisch), uns zu zeigen, wie wir e-Longboard fuhren oder auf einen der größten Bagger der Welt kletterten. Doch das positive Feedback der User machte diese Skepsis schnell vergessen.

Eine Umfrage zum Stories-Format von August 2018, durchgeführt in direkter Zusammenarbeit mit Facebook, ergab, dass 43 Prozent der über 18.000 befragten Personen weltweit Stories von Brands vor allem dann schätzen, wenn sie “authentisch rüberkommen” – und genau das tun sie mit dieser Form des “Selfie Reportings”.

„User erwarten keine Hollywood-Produktionen, sondern authentische Inhalte.“

Anstatt CEO-Ansprachen, Politiker-Rundgänge und Umsatzzahlen zu thematisieren, solltet ihr in den Stories eher wie private Influencer bzw. Blogger denken. Dadurch lässt sich eine „Heldenreise“ darstellen, bei der die User das Event durch die Augen des Reporters beobachten und durch Interaktionen sogar steuern können. 

Tipp #4: Provoziere Interaktion

Bei sieben Tagen Messe und 620.000 Besuchern ist es nicht überraschend, dass unsere Story- sowie Feed-Erwähnungen während der bauma 2019 in den Himmel schossen.
(Tipp: Notifications unbedingt pausieren, alles andere macht die Produktion sehr mühsam).

Trotzdem haben wir mit jedem Inhalt interagiert. Dazu gehörte es, in jeder freien Minute Story-Erwähnungen zu sichten und zu liken (besonders wertvollen Content haben wir auch in unserer Story geteilt) und auf Fragen zu antworten. Neben dieser Art der Interaktion nutzten wir natürlich auch die Standard-Sticker von Instagram.

Auch Verlinkungen sind ein Weg, um Interaktion und damit große Reichweite zu generieren: Hatten wir zum Beispiel große Aussteller wie Caterpillar (423.000 Abonnenten) in unseren Stories getaggt, konnte der Account unseren Content in seinen eigenen Stories teilen – und damit unsere potenzielle Reichweite fast verdreißigfachen. Ähnliches gilt natürlich auch für die Nutzung reichweitenstarker Hashtags (z.B. den eigens etablierten #bauma2019 oder #biggestbaumaever).

Tipp #5: Etabliere wiederkehrende Elemente

… und fange damit im Idealfall schon bei der Konzeption des Storyboards an. Gerade bei mehrtägigen Events macht es Sinn, in Formaten zu denken anstatt sich von einer kleinen Story zur nächsten zu hangeln. Für die #bauma2019 haben wir zum Beispiel folgende Formate konzipiert und produziert: 

  • Begrüßung mit Highlights des Tages jeden Morgen zur Messe-Eröffnung 
  • Verabschiedung mit Zusammenfassung jeden Abend zum Ende des Messe-Tags
  • Besucherumfragen am letzten Tag der Messe
  • “bauma Olympics” am vorletzten Tag der Messe
    (eine Art Wettstreit zwischen den Reportern) 
  • Superlative: Die größten Maschinen der Messe
  • Premieren: Die neuesten Maschinen der Messe
  • die liebsten Exponate der Reporter 
  • Takeovers durch reichweitenstarke Accounts. 

Den letzten Punkt “Takeovers”, möchte ich hervorheben, weil wir damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Für die Live-Berichterstattung der bauma konnten wir gleich vier Influencer für Takeovers gewinnen, die zusammen eine Community von 976.800 Follower im Rücken hatten. Drei davon teilten unsere gemeinsam entstandenen Beiträge in ihren Stories und erhöhten die Sichtbarkeit unseres Accounts dadurch natürlich enorm.

Jede Branche hat ihre Influencer – es liegt nur an uns, sie zu identifizieren und zu nutzen.

Tipp #6: Untertitel

Instagram-Daten haben gezeigt, dass 40 Prozent der Stories ohne Ton angesehen werden. Das heißt: Der beste O-Ton und das beste Interview ist verschwendet, wenn ihr die Audiospur nicht durch Text, Emojis oder ggf. sogar GIFs anreichert und einordnet. In den Screenshots seht ihr, wie das aussehen kann.

Tipp #7: Produziert vor, was ihr vorproduzieren könnt

Natürlich entsteht der Großteil des im Storyboard geplanten Contents live vor Ort, aber es gibt auch Elemente, die sich vorproduzieren lassen. Wir blendeten für verschiedene O-Töne, die alle zu einem Thema gehörten, zum Beispiel die jeweilige Frage auf einem großflächigen, leicht transparenten Hintergrund ein. Anstatt sich vor Ort zwischen den vielen Terminen damit beschäftigen zu müssen, wie dieses Visuals aussieht, haben wir es einfach schon vorher im Office (bzw. im Zug zur Messe) produziert, mit Hilfe von Tools wie Canva oder dem Buffer Stories Creator.

Natürlich sollten diese vorproduzierten Stories trotzdem zum Look der anderen, wirklich live gedrehten Story-Elemente passen. Die Planung durch das Storyboard kann es außerdem möglich machen, Inhalte für Samstag bereits am Mittwoch vorzudrehen und sie dann zeitverzögert zu veröffentlichen. Unsere letzten beiden Messetage bestritten wir zum Großteil mit dieser Art von Material.

Live-Berichterstattung bei Facebook & Co. ? am Beispiel der bauma 2019:
Welche Inhalte eignen sich für welche Netzwerke?

Zielgruppe Inhalte
LinkedIn Branchen-Experten (Aussteller, Fachbesucher) B2B-Fokus: die wichtigsten/größten Aussteller; Branchen-Trends, die sich in Vorträgen abzeichneten
Facebook

 

Laien-Publikum (Familien, Privatbesucher, “Baggerverrückte”) B2C-Fokus: die größten Maschinen (v.a. in Video-Clips), Service-Themen (Anfahrt, Tickets etc.)
Twitter Fachmedien sowie Vortragende von Keynotes und in Podiumsdiskussionen “Ticker”-Meldungen aus Vortragsprogramm, Retweets von anderen Publikationen
Instagram Laien-Publikum (Familien, Privatbesucher, “Baggerverrückte”) sowie Aussteller B2C-Fokus: Eindrücke vom Messegelände im Feed, Messe-Insights der “Selfie Reporter” in den Stories 

Tipp #8: PROBIERT ES EINFACH MAL AUS!

Bei wenigen Großprojekten habe ich eine so steile Lernkurve erlebt wie bei unseren ersten drei Einsätzen als Instagram Stories-Live-Reporter. Nicht nur das interne Veranstalter-Feedback sowie User-Kommentare bestätigen uns darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind, sondern auch KPIs wie Abonnenten-Zahlen, Interaktionsraten etc.

Die Präsenz von Selfie-Reportern, die in den Stories zu Gesichtern des Events werden, sorgte in unseren Beispielen für einen Follower-Boost, der mit “normalem” Content, aber auch mit gesponserten Anzeigen in so kurzer Zeit nicht erreichbar wäre.

PS: Du willst unsere Liveberichterstattung von der #bauma2019 nachverfolgen? In den Profil-Highlights des Accounts @bauma.official sind sie nach wie vor gespeichert.

Susanne „Susi“ Siegert (26) ist Content & Creative Specialist bei der Projecter GmbH, einer Online Marketing-Agentur aus Leipzig mit ca. 60 Mitarbeitern.

Zu Susis Kunden gehören u.a. diverse Events der Messe München GmbH, die nach und nach auch Instagram in ihren Marketing-Mix aufnehmen. Das perfekte Mittel, um die Accounts nach Start groß zu machen: Liveberichterstattung in den Instagram Stories.

Bildquellen: @bauma.official
Titelbild: Anna Maucher über veeterzy auf Unsplash

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