Die weite Welt der Filmdrehorte

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Ein Interview mit Andrea David, Reisebloggerin bei filmtourismus.de

Influencer Marketing ist schon längst in der Unternehmenskultur angekommen! Deswegen stellen wir euch ab sofort in unserem Blog ausgewählte Influencer vor. Dabei möchten wir vor allem interessante Nischen-Influencer zu Wort kommen lassen. Den Anfang macht Andrea David, die es gewagt hat, ihre Leidenschaft für Filme und deren Drehorte zum Beruf zu machen.

Andrea, du betreibst deine Seite „Filmtourismus“ heute hauptberuflich. Wie kam es, dass du Filmtouristin und Reisebloggerin wurdest? Wann und wodurch fiel bei dir die Entscheidung, dich damit selbstständig zu machen?

Andrea David, „Filmtouristin“ und Reisebloggerin bei filmtourismus.de

Andrea: Das Thema Filmtourismus war bei mir tatsächlich schon lange vor dem Blog da. Ich habe Tourismus-management in München studiert und als Filmfan schließlich meine Abschlussarbeit über Filmtourismus, also genauer gesagt den Einfluss von Filmen auf die Wahl der Reiseziele, geschrieben. Durch die vielen Recherchen und Praxisbeispiele habe ich schließlich selbst Blut geleckt und bin im Laufe der Zeit selbst zur begeisterten Filmtouristin geworden.

Irgendwann wollte ich meine gesammelten Infos zu Drehorten bekannter Filme mit anderen teilen und habe 2007 hobbymäßig mit dem Blog filmtourismus.de begonnen. Viele Leser ließen sich dort zu Reisen inspirieren und fragten mich nach weiteren Drehorten. Die Arbeit wurde über die Jahre schließlich immer umfangreicher.

Als die Nutzerzahlen stark stiegen – heute sind es über 100.000 Leser im Monat –
und ich zeitlich flexibler arbeiten wollte, hatte ich vor fünf Jahren schließlich den Mut, aus meinem Hobby einen Beruf zu machen. Neben dem Reiseblog berichte ich auch auf Facebook und Instagram über Reisetipps für Filmfans.

Neben ihrem Blog filmtourismus.de zeigt Andrea auch auf Facebook und Instagram Filmdrehorte und gibt Reiseinspiration für Filmfans.

In den vergangenen Monaten ging dein Instagram-Account viral und zahlreiche nationale und internationale Medien berichteten über dich. Wie kam das, und wie war das für dich?

Andrea: Am ersten Tag, als die Followerzahlen so durch die Decke gingen, habe ich kurzzeitig befürchtet, dass jemand meinen Account gehackt und mir Fake-Follower aufgehalst hat, was zum Glück aber nicht der Fall war. Einige neue Follower berichteten mir auf Nachfrage, dass sie mich auf der Explore-Seite von Instagram entdeckt hatten. Dann habe ich dutzende große Fanseiten zu „Game of Thrones“ und andere Filmfan-Accounts entdeckt, die meine Bilder geteilt hatten, die meisten mit deutlichem Hinweis und Tag auf meine Seite.

Nach dem ersten Boost und nachdem viele Follower meine Seite in ihren Instagram Stories weiterempfohlen hatten, kamen schon bald unzählige Presseanfragen aus dem Ausland, darunter ein Radiosender aus Uruguay, eine Tageszeitung aus Dänemark, ein Reiseportal aus Australien und so weiter und so fort… Ich habe wochenlang fast nur noch Interviews gegeben, unter anderem auch für Bild online, Lonely Planet und schließlich auch für CNN. Das war total verrückt und es hat einige Zeit gedauert, bis ich das alles realisiert habe.

Zudem wurden viele Berichte mit meinen Bildern veröffentlicht, ohne dass ich interviewt wurde, wie beispielsweise auf Bored Panda. Bis heute kommen immer noch regelmäßig Anfragen, die ich alle versuche zu beantworten. Durch die Berichte in den Medien kommen immer wieder schubweise neue Follower hinzu, die wiederum die Bilder teilen. Es ist natürlich schon großartig zu sehen, was für eine Reichweite das Ergebnis der eigenen Arbeit erreichen kann, ohne dass man ein großes Werbebudget oder einen Sponsor hat. Und die positiven Nachrichten der Nutzer motivieren mich sehr, mit meiner Arbeit weiter zu machen!


Andreas Markenzeichen: Fotos aus Filmen und Serien vor der exakten Location.

Wie gehst du bei deiner Recherche der Drehorte vor? Woher bekommst du die nötigen Informationen?

Andrea: Wenn ich Glück habe, bekomme ich Input zu den Drehorten von Tourismusverbänden, Sendern und Filmverleihern, mit denen ich häufig bei der Reiseplanung zusammenarbeite. Wenn es keine öffentlichen Informationen dazu gibt, ist es jedoch richtige Detektivarbeit: Filmstills mit Google Streetview vergleichen, immer wieder die Szenenfotos nach markanten Hinweisen absuchen und vor Ort viele Leute fragen.

Netterweise schicken mir auch Leser und Follower hin und wieder Infos zu Drehorten, die sie selbst entdeckt haben oder Hinweise, falls sich zwischenzeitlich etwas geändert hat, zum Beispiel ein Hotel oder Restaurant geschlossen hat. Das hilft mir auch, die Seite aktuell zu halten.

Vor jeder Reise mache ich mir zur Vorbereitung eine „Watch List“ mit Filmen und Serien, die am jeweiligen Reiseziel gedreht wurden. Während ich diese ansehe, suche ich dann passende Filmszenen heraus und mache Screenshots. Manchmal sind es aber auch Pressefotos. Es kam sogar schon mal vor, dass mir ein Hotel die Fotos bereits vorbereitet und im Zimmer hinterlegt hat. Da war ich total baff. Im Normalfall brauche ich mindestens drei bis vier Tage, bis eine Recherchereise vorbereitet ist, meistens wird eine ganze Woche daraus.

Was ist dein Lieblingsfilm und dein Lieblingsdrehort?

Andrea: Mein Lieblingsfilm, wenn ich mich denn wirklich für einen einzigen entscheiden muss, ist „Zurück in die Zukunft“. Der fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Da schwingt natürlich auch etwas 80er-Jahre-Nostalgie mit, aber der Film nutzt sich auch nach einem Dutzend Mal sehen nicht ab. Außerdem bin ich großer Star Wars-Fan und Serienjunkie sowieso. Zu meinen Lieblingsdrehorten gehört das echte Kellerman’s Resort aus „Dirty Dancing“, die „Star Wars“-Insel Skellig Michael und die Wüste Wadi Rum in Jordanien, die in „Lawrence von Arabien“ und „Der Marsianer“ zu Filmehren kam.

Andreas Lieblingsfilm: Zurück in die Zukunft. Bei ihrer letzten Recherche lokalisierte sie in der Nähe von Los Angeles sogar den „George McFly-Baum“.

Wie organisierst und finanzierst du deine Recherchereisen?

Andrea: Häufig ergeben sich Kooperationen mit Tourismusämtern, die zu Pressereisen einladen oder auch individuelle Recherchen unterstützen. Zudem verbinde ich fast jede private Reise mit ein paar Drehortbesuchen. Ich informiere mich fast immer vorher, ob in der Nähe etwas gedreht wurde, außer ich brauche mal ganz bewusst etwas Abstand zum Thema. So exakt lässt sich beruflich und privat bei mir auf Reisen nicht mehr trennen.

Wie und in welcher Form arbeitest du als Influencerin mit Unternehmen und Organisationen zusammen?

Andrea: Filmverleiher, Sender oder Streamingdienste buchen mich beispielsweise, um mit meinen Drehortfotos auf einen Kinofilm- oder Serienstart aufmerksam zu machen. Für Reise-Destinationen erstelle ich Texte und Contentplatzierungen oder biete Instagram Takeovers an, um auf die Bedeutung einer Region als Filmkulisse hinzuweisen. Ich finde es toll, in beiden Branchen Projekte umsetzen zu können. Das macht die Arbeit sehr spannend und abwechslungsreich.

Was ist dir bei einer Kooperation wichtig? Hast du in der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Agenturen schon mal schlechte Erfahrungen gemacht?

Andrea: Bei den bisher umgesetzten Kooperationen gab es so gut wie keine Probleme. Ich versuche immer gleich im Vorfeld alle Details zu besprechen, damit auf beiden Seiten die Erwartungen eingehalten werden können. Daher sind mir vor allem Offenheit und eine Kommunikation auf Augenhöhe wichtig.

Schlechte Erfahrungen mache ich oft bei den Anfragen, die hereinkommen. Da passt das Produkt oft überhaupt nicht zu meinem Thema. Ich würde mir da manchmal wünschen, dass im Vorfeld mehr Recherche betrieben wird und wirklich nur Influencer angefragt werden, die zum Produkt passen bzw. sich eine Verbindung zum Thema finden lässt. Es gehen leider noch viele nach dem Gießkannenprinzip vor, aber das bringt meiner Meinung nach beiden Seiten nichts.

Bei „Game of Thrones“ in Island: Bei ihren Reisen wird Andrea häufig von Tourismusämtern unterstützt. Hilfe bei der Recherche erhält sie auch von Sendern, Filmverleihern und anderen Filmfans.

Wie verdienst du als Influencerin Geld? Bietest du auch Dienstleistungen an, die über deinen Blog und deine Social Media-Accounts hinausgehen?

Andrea: Zu den bereits oben genannten Punkten kommen noch Provisionserlöse über die Website hinzu und Artikelaufträge von diversen Zeitschriften und Onlineportalen. Hin und wieder werde ich auch für Fachvorträge, Workshops und Konzepte im Bereich Filmtourismus gebucht.

Welche Social Media-Formate und -Trends sind für dich besonders relevant?

Andrea: Aufgrund der großen Followerschaft ist Instagram für mich neben dem Blog am wichtigsten. Ich nutze die Plattform außerdem sehr gerne, um mit Schauspielern und Regisseure für Interviews in Kontakt zu kommen oder Location Scouts für meine Recherchen zu kontaktieren.

Manche Drehortbesuche oder Kundenprojekte wären ohne meine Kontakte dort gar nicht möglich gewesen. Instagram ist für mich daher nicht einfach nur ein Kanal, den es mit Content zu befüllen gilt, sondern hat sich für mich zur wichtigen Businessplattform entwickelt, über die ich recht unkompliziert sogar mit großen Marken oder Filmstars in Kontakt treten kann.

Was planst du als Nächstes?

Andrea: Aktuell sitze ich an der Reiseplanung für 2019. Außerdem plane ich im kommenden Jahr, ein eigenes Produkt für Filmtouristen zu kreieren. Da ich momentan noch unheimlich viele Produktideen dazu habe, bin ich jedoch selbst noch gespannt, welche Idee schließlich das Rennen machen wird.

Wir danken Andrea für die spannenden Einblicke und wünschen ihr weiterhin viel Erfolg!

Das Interview führte Susanne Maier.
Bildquellen: Andrea David, Filmtourismus.de, Redaktion SocialHub Mag
Titelbild: Anna Maucher über Kinga Cichewicz auf Unsplash

Dieser Artikel erschien zuerst im SocialHub Mag – lade dir unser Social Media-Magazin hier kostenlos herunter!

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