Von Corona, Social Media und Chancen, die wir jetzt nutzen können

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Stell dir vor, es ist Mitte der Neunziger Jahre, vielleicht neigt sich das alte Jahrtausend auch schon langsam seinem Ende zu. Einige von uns sind gerade erst geboren, andere von uns verschwenden gerade genüsslich ihre Jugend, irgendwo zwischen Bravo-Postern, Computerspielen und verrauchten Grunge-Partys im Jugendhaus. Und dann kommt der Lockdown. Wie wäre es gewesen, wenn uns die Corona-Pandemie nicht im Jahr 2020, sondern schon damals ereilt hätte? Wie würden unsere Tage aussehen? 

Vermutlich würden wir uns mit unserem Modem quälend langsam und scheppernd ins Internet einwählen (um dort nochmal was genau zu tun?). Wir würden uns mit unseren Geschwistern um das ständig belegte Festnetztelefon prügeln, während sich unsere Eltern im Hintergrund über die teure Telefonrechnung beschweren. Wir würden uns die Zeit mit Nintendo vertreiben, an den Nachrichten im Radio kleben und vermutlich deutlich mehr Bücher lesen – doch irgendwann ist auch unser Bücherregal ausgelesen. Dumm nur, dass die Bücherei geschlossen hat, ebenso die Videothek und der Plattenladen unseres Vertrauens. Online-Unterricht oder Video-Gitarrenstunde? Arbeiten im Homeoffice? Fehlanzeige. Wenn du Glück hast, haben deine Eltern wenigstens Kabelfernsehen. 

Wir wissen nicht, wie es dir geht, doch so interessant dieses Gedankenspiel ist, wir sind jedenfalls froh, dass wir das Ganze immerhin im Internetzeitalter erleiden. Lasst uns also ganz schnell vorspulen ins Jahr 2020. Auch jetzt ist die Situation bitter, keine Frage. Und dennoch haben wir Dinge, die es uns so einfach machten wie nie, plötzlich den Großteil unseres Lebens in den eigenen vier Wänden und abgeschottet von anderen Menschen zu verbringen. Wir haben Netflix, Online-Shopping und Essens-Lieferdienste, Video-Telefonie und Flatrates. Wir haben Livestreams von Events, Online-Kurse, Online-Unterrricht, -Sprechstunden und vieles mehr. Denn wir haben dieses Internet. Wir haben Social Media! 

Social Media ist es zu verdanken, dass wir gerade in diesen Zeiten viel leichter mit Freunden und Familie und sogar dem auf der ganzen Welt verstreuten Bekanntenkreis in Kontakt bleiben können. Wir können uns weiterhin sehen, uns online verabreden – sogar zu mehreren – und uns zusammen ein kleines bisschen weniger allein fühlen. 

Wir können uns virtuell an Orte auf der ganzen Welt träumen, wir können im Homeoffice weiterhin arbeiten, wir können unbegrenzt Medien konsumieren und uns online weiterbilden, Sport treiben und Neues lernen. Wir können Nachrichten leichter verfolgen, Zerstreuung finden. Dank Social Media verbreiten sich leider auch Fake News und Verschwörungstheorien leichter als je zuvor, und natürlich brauchen wir auch einfach mal eine Pause von der Corona-Dauerbeschallung, gerade in diesen Tagen.

Doch wie oft hat uns in den vergangenen Wochen ein Social Media Post oder eine Message ein Lächeln ins Gesicht gezaubert? Dank diverser Apps können wir heute auch auf physische Distanz besser verbunden und füreinander da sein, als das in unserem Beispiel der Neunziger-Jahre-Quarantäne der Fall gewesen wäre.

Social Media sind jetzt in der Krise wichtiger denn je.

Social Media können uns helfen, die Krise besser zu bewältigen. Dieser Punkt trifft im Übrigen auch auf Unternehmen zu. Sicher, die Corona-Krise hat auch im Social Media-Bereich negative Auswirkungen: Budgetkürzungen und Einsparungen, Kurzarbeit, verschlechterte Auftrags- und Wirtschaftslage, um nur ein paar zu nennen. Doch es bieten sich auch Chancen. Gerade jetzt sollten Unternehmen nicht aufhören, digital zu kommunizieren – im Gegenteil! Nutzungsdauer und Nutzerzahlen von Social Media legen derzeit ordentlich zu, so dass Unternehmen online jetzt potenziell mehr Menschen mit ihrer Kommunikation erreichen können.

Über soziale Medien können Unternehmen weiterhin mit ihren Kunden sprechen, ihnen zuhören und einen guten, schnellen Service bieten. Die Pflege der Community und eine authentische und empathische (Krisen-)Kommunikation sind momentan wichtiger denn je. Im Dialog mit Kunden und Nutzern sollten wir Themen und Probleme identifizieren, die diese momentan beschäftigen, und darauf basierend Lösungen, Inhalte und Angebote entwickeln. Auch Aufmunterung und Unterhaltung der Community sollten nicht unterschätzt werden. Und auch wenn die Coronakrise scheinbar alles über den Haufen wirft und uns zwingt, bestehende Strategien zu überdenken: so what! Nehmen wir die Situation als Chance, um Kampagnen, Prozesse, Budgets und Kommunikationsformate anzupassen, um neue Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln. 

Es liegt an uns, was wir daraus machen!

Im diesem Sinne möchten wir dir gerne ein paar Gedanken mit auf den Weg geben, die uns in diesen Tagen weiterhelfen. Vielleicht ist auch das ein oder andere dabei, das dir hilft! Denn auch wenn die Situation häufig aussichtslos scheint und wir mit unterschiedlichen Ängsten zu kämpfen haben, so haben wir dennoch eines in der Hand: die Art und Weise, wie wir mit der Situation umgehen. Was ist es also, das wir tun können? Hier ein paar Tipps und Anregungen:

1. Schaffe dir eine Perspektive, die sich wieder gut anfühlt

Während manche Menschen Sicherheit und Struktur brauchen, benötigen andere in erster Linie eine Perspektive. Schaffe dir eine, die sich wieder gut anfühlt! Anstatt dich der Situation ausgeliefert zu fühlen, denke darüber nach, welche Dinge du in der Hand hast. Frage dich folgendes: Wer willst du sein, wenn das alles vorbei ist? Und was könntest du jetzt schon unternehmen, um das zu erreichen? 

Denke darüber nach, welche Dinge gerade auch schön sind. Vielleicht ist es schön, mehr Zeit für die Familie zu haben, schön, dass du nicht mehr jeden Tag eine Stunde zur Arbeit pendeln musst oder schön, dass du dir dein Essen tagsüber selbst kochen kannst. Vielleicht ist es auch schön, dass du plötzlich Zeit hast, wieder mehr Bücher zu lesen, neue Dinge auszuprobieren oder dass du diesen Sommer zur Abwechslung deine eigene Heimat erkunden wirst. Haben wir uns nicht zuletzt nach mehr Zeit für die Familie und für uns selbst gesehnt, nach weniger Konsum, weniger Flugreisen, nach mehr Nachhaltigkeit und mehr Entschleunigung? 

Indem du über diese Fragen nachdenkst, nimmst du das Ruder wieder in deine eigene Hand und kommst auf viele positive Gedanken, die sich gut anfühlen. 

2. Strukturen geben Sicherheit und ermöglichen Kontrolle

Vielen von uns macht die fehlende Sicherheit derzeit sehr zu schaffen. Gewohnte Strukturen brechen weg und wir bekommen schnell das Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben. Indem du dir selbst neue Strukturen schaffst, eroberst du ein Stück weit die Kontrolle zurück und gibst dir selbst ein wenig Sicherheit – durch die Dinge, die du kontrollieren kannst. Dazu zählen zum Beispiel Morgenroutinen oder Zeitpläne für den Tag, die (nicht nur bei Kindern) eine gewisse Kontinuität schaffen. Welche neuen Routinen kannst du einführen, die sich gut anfühlen und dir Sicherheit geben? Vielleicht ist es der Spaziergang in der Mittagspause, feste Zeiten für Sport, für Pausen, das Telefonat mit den Eltern jeden Dienstag Abend usw. Mach dir einen Plan. 

3. Chancen nutzen

Jede Krise bringt auch jede Menge Chancen mit sich. Überlege, wie diese Chancen für dich privat, deinen Beruf oder dein Team bzw. Unternehmen aussehen könnten. Wie könntest du sie nutzen? Was wäre, wenn du beispielsweise ein neues Produkt auf den Markt bringen würdest, das bestimmten Menschen aus der Situation heraus noch besser helfen kann? (So haben wir zum Beispiel SocialHub Meet entwickelt). Wie können wir Kampagnen anders denken? Wie können wir alte Abläufe verändern, die bisher in Stein gemeißelt erschienen und nun neu an Fahrt gewinnen? Birgt die Situation nicht etwa gerade in punkto Social Media und Digitalisierung viele Chancen, und wie könnten wir diese vorantreiben? 

4. Herz zeigen

Unser letzter Punkt ist gleichzeitig einer der wichtigsten. Es gibt vermutlich einige Menschen dort draußen, die uns brauchen und für die wir da sein können. Menschen, denen wir Aufmerksamkeit schenken, eine kleine Freude machen und ein Lächeln ins Gesicht zaubern können. Überlege, welche Personen das für dich sind. Greife zum Telefonhörer, schreibe eine Karte oder eine liebe Nachricht, schicke eine kleine Aufmerksamkeit, tu jemandem einen spontanen Gefallen. Wie so oft sind es gerade die kleinen Dinge, die einen Unterschied machen, die wir jedoch nach wie vor jeden Tag in der Hand haben. 

So bitter die Situation ist: Vielleicht werden wir eines Tages feststellen, dass wir ohne Corona nicht der Mensch wären, der wir jetzt sind und vielleicht nicht die Dinge tun würden, die wir jetzt tun. Wir glauben: Corona wird die Welt verändern – und nicht nur zum schlechten. Wo auch immer eine Krise ist, da sind auch viele Chancen. Wer danach sucht, wird sie finden.

Passt auf euch auf!

Text: Susanne Maier
Titelbild: Anna Maucher über Daniel Tafjord auf Unsplash

Dieser Artikel erschien zuerst im SocialHub Mag – lade dir unser Social Media-Magazin hier kostenlos herunter!

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